Die botanischen Namen wurden nicht selten dem Aussehen von Pflanzen angelehnt. Campanula heißt wörtlich übersetzt Glocke – und wer Glockenblumen sieht, der wird diese sofort erkennen, denn die Blüten sehen tatsächlich aus wie kleine Glöckchen. Früher fanden sich Glockenblumen überwiegend in Bauerngärten, die traditionelle und verspielte Erscheinung passt gut zum romantischen Stil dieser Gärten. Mittlerweile halten Glockenblumen aber auch Einzug in Naturgärten, Ziergärten und kleine Sorten in Steingärten. Grund genug, uns diese vielseitige Blume etwas näher anzusehen.
Glockenblumen – ein Steckbrief
- Name: Glockenblume
- Botanischer Name: Campanula
- Alternativer Name: Elfenglöckchen, Rapunzelkraut, Glöckchenblume
- Familie: Glockenblumengewächse
- Ordnung: Asternartige
- Arten: über 500
- Herkunft: Europa, Asien, Nordafrika
- Wuchshöhe: 10 bis 120 Zentimeter (je nach Art)
- Wuchsbreite: variabel, oft horstig oder teppichbildend bei niedrigen Arten
- Blütezeit: Mai bis September
- Blütenfarben: Blau, Violett, Weiß, Rosa
- Winterhart
- Ungiftig
Herkunft und Geschichte der Glockenblumen
Glockenblumen haben ihren Ursprung in den gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Nordafrikas. Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht vom Mittelmeerraum über die Alpen bis nach Zentralasien. Vor allem in Gebirgsregionen sind viele Arten entstanden, sie haben sich dort den rauen Bedingungen der unterschiedlichen Höhenlagen angepasst. Viele Glockenblumenarten sind wahre Überlebenskünstler, sie wachsen nicht selten an Steilhängen, in Felsritzen oder auf kargen Wiesen.
Bereits in der Antike wurden Glockenblumen erwähnt, damals jedoch noch nicht unter dem heutigen Namen. Die Bezeichnung Campanula wurde erst im 16. Jahrhundert geprägt, als die systematische Pflanzenkunde entwickelt wurde. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné nahm Glockenblumen 1753 in sein Werk „Species Plantarum“ auf, das als Beginn der modernen botanischen Namensgebung gilt.
Die Pflanze wurde durch Klöster, Botaniker und Gärtner in Kloster- und Bauerngärten kultiviert. In der Romantik waren Glockenblumen ein Symbol für Zartheit, Bescheidenheit und Naturverbundenheit, insbesondere in der Literatur und der Gartenkunst. Seit dem 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Arten gezüchtet und verbreitet, sodass sie heute eben nicht nur in Bauerngärten, sondern auch in Zierbeeten, Cottagegärten und Steingärten gerne gesehen sind.
Glockenblumen im eigenen Garten
Da es unzählig viele Glockenblumenarten gibt und diese auch mit verschiedenen Wuchshöhen daherkommen, passt so eine Staude beinahe überall hin. Es gibt Arten, die blühen beinahe den ganzen Sommer, andere immerhin zwei Monate lang. Hier ein paar bekannte Glockenblumenarten und ihre Blütezeit:
- Zwerg-Glockenblume: Mai bis Juni
- Acker-Glockenblume: Juni bis Juli
- Knäuel-Glockenblume: Juli bis September
- Hängepolster-Glockenblume: Juni bis September
- Dalmatiner Polster-Glockenblume: Juni bis September
- Pfirsichblättrige Glockenblume: Juni bis August
- Wald-Glockenblume: Juni bis August
Werfen wir aber nun einen Blick darauf, wie Sie Glockenblumen im eigenen Garten pflegen und worauf Sie achten sollten.
Pflanzung
Glockenblumen lassen sich gut aus Samen ziehen. Die Aussaatzeit in Vorkultur liegt zwischen Februar und April, ab Mitte Mai können Sie sie auch direkt ins Beet säen. Glockenblumen sind Lichtkeimer, das heißt, dass Sie die Samen nicht bedecken, sondern nur leicht andrücken sollten. Halten Sie sie nach der Aussaat gut feucht und stellen Sie sie hell. Die Keimtemperatur liegt zwischen 15 und 20 Grad, die Keimdauer zwischen 10 und 20 Tagen. Sobald die Pflanzen groß genug sind, können diese ins Beet umziehen. Achtung: Es sollten keine Fröste mehr drohen! Der Pflanzabstand liegt zwischen 20 und 40 Zentimetern (je nach Art).
Substrat
Eigentlich haben Glockenblumen keinen besonders hohen Anspruch an die Erde – sie wachsen zum Beispiel auch auf kargen Böden. Wenn Sie das Optimale herausholen möchten, dann setzen Sie sie in ein lockeres, durchlässiges und nährstoffreiches Substrat. Ideal ist eine Mischung aus Gartenerde und Sand oder feinen Kies für eine gute Durchlässigkeit, denn Staunässe sollten Sie vermeiden. Möchten Sie Glockenblumen in Topfkulturen halten, dann können Sie die Blumenerde mit Lavagranulat oder Perlite mischen.
Standort
Glockenblumen möchten gerne in der vollen Sonne stehen, kommen aber auch mit Halbschatten gut zurecht (vor allem Arten, die sonst an Waldrändern zu finden sind). Die Pflanzen sind sehr anpassungsfähig, sie gedeihen daher nicht nur in Beeten, sondern auch in Steingärten und sogar auf Mauerkronen.
Die Pflege von Glockenblumen
Die Pflege von Glockenblumen ist unkompliziert und recht einfach zu handhaben. Die Pflanzen brauchen nur wenig Aufmerksamkeit, werden sie gut gepflegt, bedanken sie sich jedoch mit einer üppigen Blüte.
Gießen
Vor allem bei Trockenheit sollten Sie Glockenblumen regelmäßig gießen. Wichtig ist, dass keine Staunässe entsteht, um Schäden an den Wurzeln zu vermeiden. Halten Sie Ihre Glockenblumen im Topf, dann sollten Sie diese im Sommer täglich gießen. Lassen Sie überschüssiges Wasser gut abfließen.
Düngen
Spezielle Düngergaben sind bei den meisten Glockenblumenarten nicht nötig. Sie können Sie für eine gute Blüte und eine gewisse Robustheit im Frühling mit Kompost oder Hornspänen düngen. Auch Glockenblumen, die Sie im Topf halten, freuen sich über einen flüssigen Blumendünger alle 6 bis 8 Wochen. Ansonsten sind die Pflanzen eher genügsam.
Schneiden
Wenn Sie Verblühtes regelmäßig entfernen, fördern Sie eine Nachblüte. Im Spätherbst oder im Frühjahr sollten Sie abgestorbene Pflanzenteile bodennah zurückschneiden. Bei Polsterarten ist ein Formschnitt im Frühling zur Verjüngung anzuraten.
Überwintern
Glockenblumen im Beet sind winterhart und müssen nicht geschützt werden, lediglich Jungpflanzen sollten Sie im ersten Jahr vor starker Kälte schützen.
Glockenblumen, die Sie im Topf halten, können draußen überwintern, sollten dann aber einen Schutz erhalten. Stellen Sie diese zum Beispiel nahe an eine Hauswand oder unter ein Vordach. Die Wurzeln schützen Sie, indem Sie den Topf auf ein Holzstück oder eine Styroporplatte stellen. Helfen kann auch Vlies, Jute oder Luftpolsterfolie, die Sie um den Topf wickeln. Ebenfalls möglich: Das Abdecken der Erde mit Laub oder Tannenzweigen. Topfpflanzen werden im Winter nur sparsam gegossen und nur so viel, dass der Wurzelballen nicht komplett austrocknet.
Vermehren
Glockenblumen können Sie auf drei unterschiedliche Arten vermehren:
- Samen
Wenn Sie Verblühtes nicht entfernen, bilden sich Samenkapseln, die Sie für eine Aussaat verwenden können. Reif sind die Samen, wenn sie braun und trocken sind. Dann öffnen sich diese und verstreuen selbstständig die Samen, weswegen sich Glockenblumen auch selbst aussäen können. Sammeln Sie diese Samenkapseln ein, bevor sie aufplatzen, können Sie diese selbst aussäen. Wie das funktioniert, haben wir Ihnen oben unter dem Punkt „Pflanzung“ beschrieben. - Teilung
Vor allem bei horstbildenden und einigen polsterbildenden Arten können Sie im Frühling oder Herbst die Glockenblume teilen. Dazu graben Sie die Pflanze vorsichtig aus, klopfen den Erdballen leicht ab und teilen ihn mit einem Messer oder einer Pflanzenschere in mehrere Teile. Wichtig dabei ist, dass ausreichend Wurzeln und Triebansätze vorhanden sind. Krankes und matschiges Pflanzenmaterial wird entfernt. Die neuen Teilstücke setzen Sie an die gewünschte Stelle im Beet und gießen diese gut an. Halten Sie sie in den ersten Wochen immer feucht. - Stecklinge
Die Stecklingsvermehrung ist vor allem bei triebfreudigen und niederliegenden Arten sinnvoll. Bester Zeitpunkt ist der Sommer. Wählen Sie einen gesunden, nicht blühenden Trieb mit einer Länge von ca. 5 bis 10 Zentimetern aus und schneiden Sie diesen mit einer Schere oder einem scharfen Messer ab. Entfernen Sie das untere Blattpaar und geben Sie den Steckling in Anzuchterde. Stellen Sie den Steckling an einen warmen und hellen Standort und halten Sie den Boden gleichmäßig feucht. Ideal ist es, wenn Sie ihm eine Folienhaube mit Löchern verpassen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Nach rund 3 bis 4 Wochen sollten sich Wurzeln gebildet haben, dann können Sie die junge Glockenblume umtopfen oder ins Beet pflanzen.
Sonstige Pflegemaßnahmen
- Auch wenn Glockenblumen winterhart sind, kann es gerade in rauen Lagen und bei jungen Pflanzen sinnvoll sein, diese in der kalten Jahreszeit mit Reisig oder Laub zu schützen.
- Glockenblumen mögen lockere Böden, daher sollten Sie von Zeit zu Zeit die Erde vorsichtig auflockern – so werden eine Verdichtung und Staunässe vermieden.
- Werden Glockenblumen im Topf gehalten, sollten Sie diese alle 2 bis 3 Jahre in einen größeren Topf mit einem frischen Substrat setzen. In diesem Zuge kann die Pflanze geteilt und verjüngt werden.
Krankheiten und Schädlinge an Glockenblumen
Glockenblumen sind recht robust und wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Trotzdem kann hier und da mal etwas auftreten.
Echter Mehltau
Er zeigt sich durch einen weißlich, mehligen Belag auf den Blättern, besonders bei Trockenheit und hoher Luftfeuchtigkeit. Sie können mit einer Backpulverlösung (1 Teelöffel auf 1 Liter) gegenwirken, wobei eine Bekämpfung kaum nötig ist. Zur Vermeidung achten Sie darauf, dass Sie nicht mit Stickstoff überdüngen und dass die Pflanze luftig steht.
Falscher Mehltau
Er zeigt sich durch gelbe Flecken auf den Blattoberseiten und einem gräulichen Pilzrasen auf den Blattunterseiten. Tritt vor allem bei feuchten, kühlen Bedingungen auf. Auch hier ist eine Behandlung nicht zwingend notwendig, Sie können befallene Teile aber entfernen, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Gießen Sie nie von oben, sondern immer nur von unten.
Wurzelfäule
Tritt auf, wenn der Boden zu nass und zu dicht ist und wenn Staunässe entsteht. Befallene Pflanzen, die welken und schwarze, matschige Wurzeln bekommen, sollten Sie entfernen und den Boden verbessern. Verwenden Sie nur durchlässige Erde und achten Sie darauf, dass keine Staunässe entsteht.
Schnecken
Junge Triebe und Blätter werden über Nach abgefressen, dies passiert vor allem bei frisch gepflanzten, jungen Glockenblumen im Frühjahr. Errichten Sie Schneckenzäune und sammeln Sie die Tiere ab.
Blattläuse
Vor allem an jungen Trieben, Blütenknospen oder auf Blattunterseiten zu finden. Blätter kräuseln sich. Blattläuse können Viren übertragen und für ein geschwächtes Wachstum sorgen. Brausen Sie die Glockenblume mit Wasser ab, behandeln Sie sie mit Neemöl oder Brennnesselsud und fördern Sie Nützlinge wie Marienkäfer.