Auf Kartoffeln verzichten? Niemals! Kartoffeln gehören in jede gute Küche – pro Jahr und pro Kopf verzehren wir über 63 Kilo Kartoffeln. Ob als Kartoffelsalat, als Bratkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelklöße oder auch als Kartoffelbrei, die Knollen lassen sich vielseitig in der Küche verwenden. Und sie lassen sich prima im Garten anbauen. Damit auch alles klappt, sollten Sie folgende Pflegefehler nicht machen.
Fehler 1: Auf das Vorkeimen verzichten
Kartoffeln dürfen erst nach draußen, wenn der Boden frostfrei und leicht erwärmt ist – 8 bis 10 Grad sind dabei ideal. Auf das Vorkeimen, das ca. 4 bis 6 Wochen vor dem eigentlichen Pflanztermin begonnen wird, sollten Sie dabei nicht verzichten, und zwar auch folgenden Gründen:
- Vorgekeimte Kartoffeln wachsen schneller, da sie mit einem „Vorsprung“ in die Erde kommen.
- Aufgrund des früheren Zeitpunkts können Sie die Kartoffeln auch früher ernten.
- Vorgekeimte Kartoffeln wachsen in der Regel gleichmäßiger und kräftiger, weswegen der Ertrag besser ist.
- Stärkere Pflanzen sind besser gegen Schädlinge und Krankheiten gewappnet.
Damit das Vorkeimen klappt, gehen Sie wie folgt vor:
- Verteilen Sie die Saatkartoffeln in einer flachen Kiste, wobei die Augen (kleine Vertiefungen, aus denen die Triebe wachsen) nach oben zeigen.
- Stellen Sie die Kiste an einen hellen aber kühlen Ort mit Temperaturen von 10 bis 15 Grad auf.
- Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung, damit die Triebe nicht verbrennen.
- Sprühen Sie die Kartoffeln regelmäßig mit etwas Wasser ein – lassen Sie diese aber nicht zu nass werden, um Schimmel zu vermeiden.
- Wenn die Triebe nach 4 bis 6 Wochen rund 1 bis 2 Zentimeter lang sind und grün bis violett erscheinen, haben Sie alles richtig gemacht. Sind die Triebe lang und weiß, haben sie zu wenig Licht bekommen.
Fehler 2: Den Boden nicht vorbereiten
Damit Kartoffeln gut und gesund wachsen und eine reiche Ernte versprechen, ist eine entsprechende Bodenvorbereitung essenziell. Gehen Sie wie folgt vor:
- Die Vorbereitung des Bodens sollte im späten Herbst oder im zeitigen Frühjahr erfolgen.
- Lockern Sie den Boden bis zu einer Tiefe von mindestens 25 Zentimetern, damit die Kartoffelknollen genügend Platz zum Wachsen haben.
- Entfernen Sie Steine oder größere Erdklumpen, damit diese das Wachstum nicht behindern.
- Bei schweren Lehmböden hilft das Untermischen von Sand.
- Prüfen Sie den pH-Wert des Bodens. Kartoffeln benötigen einen Wert zwischen 5,0 und 6,5, er sollte also leicht sauer sein. Wenn der Boden zu sauer ist, arbeiten Sie Kalk ein, ist er zu alkalisch, helfen organische Stoffe wie Kompost weiter.
- Arbeiten Sie organische Dünger wie Kompost, Hornspäne oder Knochenmehl ein, um die Bodenstruktur zu verbessern und Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium zur Verfügung zu stellen.
- Kartoffeln reagieren empfindlich auf Staunässe und tendieren zum Faulen. In feuchten oder schweren Böden können Dämme oder Hügelbeete angelegt werden, so wird die Drainage verbessert.
- Vor der Pflanzung sollten Sie das Beet komplett vom Unkraut entfernen.
- Nach dem Umgraben und Düngen sollte der Boden für mindestens einige Wochen ruhen, damit sich Nährstoffe setzen können und das Bodenleben aktiv wird.
Fehler 3: Die Fruchtfolge ignorieren
Kartoffeln gehören zu den Starkzehrern, sie entziehen dem Boden somit viele Nährstoffe. Aus diesem Grund – und auch, um die Gefahr von Krankheiten und Schädlingen zu reduzieren, ist ein guter Fruchtfolgeplan notwendig, um langfristig gesunde Erträge zu erzielen. Die Grundregeln der Fruchtfolge bei Kartoffeln besagen folgendes:
- Innerhalb von 3 bis 4 Jahren sollten keine Kartoffeln an gleicher Stelle gepflanzt werden.
- Wählen Sie geeignete Vor- und Nachkulturen. Zu den Vorkulturen gehören etwa Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen, zu den Nachkulturen zählen Pflanzen, die weniger Nährstoffe brauchen, wie Karotten, Steckrüben, Wurzelpetersilie oder auch Rote Bete.
- Kartoffeln gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Um keine Krankheiten und Schädlinge zu fördern, sollten daher Pflanzen, die ebenfalls zu dieser Familie gehören, nicht direkt nach Kartoffeln angebaut werden. Dazu gehören zum Beispiel Tomaten, Paprika oder Auberginen.
So könnte eine Fruchtfolge für Kartoffeln aussehen:
- Jahr: Kartoffeln
- Jahr: Gründüngung (Senf, Klee, Phacelia) – schwachzehrend, regeneriert den Boden
- Jahr: Hülsenfrüchte – reichen den Boden mit Stickstoff an
- Jahr: Wurzelgemüse
- Jahr Kartoffeln
Fehler 4: Kartoffeln falsch pflanzen (Pflanztiefe & Abstand)
Pflanztiefe und Pflanzabstand sind beim Kartoffelanbau enorm wichtig, da sie direkten Einfluss auf das Wachstum, die Knollenbildung und den Ertrag haben. So kann es zur Konkurrenz um Nährstoffe, zu Lichtmangel und zum Risiko von Krankheiten kommen.
Bei der Pflanztiefe ist auf folgendes zu achten:
- Kartoffeln sollten immer 10 bis 15 Zentimeter tief in die Erde gepflanzt werden.
- In leichten, sandigen Böden können Sie sie etwas tiefer setzen, damit sie ausreichend Halt bekommen.
- In schweren Böden können Sie sie flacher Pflanzen, so wird Staunässe vermieden.
- Kartoffelknollen, die zu nahe an der Oberfläche liegen, können grün werden.
- Eine ausreichende Tiefe ermöglicht es den Kartoffeln, mehr Knollen entlang des Wurzelstocks zu bilden.
- Tiere gepflanzte Kartoffeln sind besser vor späten Frösten geschützt.
Beim Pflanzabstand ist auf folgendes zu achten:
- Lassen Sie zwischen den Kartoffeln einen Abstand von 30 bis 40 Zentimetern.
- Der Reihenabstand sollte 60 bis 70 Zentimeter betragen.
- Diese Maße sorgen dafür, dass die Wurzeln ausreichend Platz haben und sich Knollen gut bilden können. Auch wird so ein späteres Anhäufeln ermöglicht.
- Durch die großen Abstände konkurrieren die Pflanzen nicht um Licht, Wasser und Nährstoffe. Außerdem wird die Luftzirkulation verbessert.
- Ein größerer Pflanzenabstand ist zudem eine Erleichterung bei der Pflege.
Fehler 5: Kein Unkraut entfernen
Das Entfernen von Unkraut im Kartoffelbeet ist wichtig für ein gutes und gesundes Wachstum. So sollte bereits vor dem Pflanzen das Beet frei von Unkraut sein. Während des Wachstums und auch nach dem Anhäufeln sollten Sie aufkommendes Unkraut zeitnah und regelmäßig entfernen. Wichtig ist dies aus folgenden Gründen:
- Vermeidung von Konkurrenz: Unkraut konkurriert direkt mit den Kartoffeln um lebenswichtige Ressourcen wie Nährstoffe, Wasser und Licht. Da Kartoffeln zu den Starkzehrern gehören, benötigen Sie viele Nährstoffe, die ihnen vom Unkraut streitig gemacht werden. Zudem kann Unkraut Kartoffelpflanzen beschatten, was das Wachstum hemmt.
- Förderung der Knollenbildung: Kartoffeln benötigen einen lockeren und gut durchlüfteten Boden, um gesunde Knollen zu entwickeln. Unkrautwurzeln können den Boden aber verdichten. Außerdem wird die Ernte erschwert, da die Knollen aufgrund der vielen fremden Wurzeln beschädigt werden können.
- Schutz vor Krankheiten: Viele Unkräuter können als Wirtspflanzen für Krankheiten und Schädlinge dienen. So können Krankheiten wie Krautfäule oder Schädlinge wie Blattläuse über das Unkraut auf die Kartoffeln übertragen werden.
- Erleichterung bei der Pflege: Unkraut erschwert das Anhäufeln von Kartoffeln. Außerdem erleichtert eine saubere Fläche die Bewässerung und die Sichtkontrolle auf Krankheiten und Schädlinge.
- Verbesserung der Erntequalität: Wird Unkraut nicht entfernt, werden Kartoffelknollen nicht groß genug und verformen sich.
Fehler 6: Falsch und zu viel düngen
Auch wenn Kartoffeln zu den Starkzehrern gehören und viele Nährstoffe brauchen, ist zu viel Dünger nicht gut für die Pflanzen. Besonders wichtig für die Pflanzen sind Stickstoff (N), der für das Wachstum von Blättern und Stängeln zuständig ist, Phosphor (P), der bei der Wurzelentwicklung und der Bildung von Knollen eine Rolle spielt, und Kalium (K), das die Knollenqualität, die Größe und die Lagerfähigkeit beeinflusst. Folgende Probleme können bei falscher oder übermäßiger Düngung auftreten:
- Überdüngung mit Stickstoff: Übermäßiges Blattwachstum, verzögerte Knollenbildung (zu wenige und zu kleine Knollen), Anfälligkeit für Pilzerkrankungen
- Falsches Verhältnis von Nährstoffen: Ein Mangel an Kalium führt zu kleinen und deformierten Knollen, ein Mangel an Phosphor verlangsamt das Wachstum und reduziert die Erträge, ein unausgewogenes Verhältnis zwischen Stickstoff, Phosphor und Kalium fördert Wachstumsstörungen und schlechte Erträge.
- Verwendung von frischem Mist: Da frischer Stallmist viel Stickstoff enthält, können die Wurzeln und Knollen „verbrennen“. Außerdem kann er Schädlinge wie Drahtwürmer fördern und es kann zu Knollenfäule kommen.
- Salzgehalt im Boden: Der übermäßige Einsatz von mineralischen Düngern, insbesondere von Kaliumchlorid, kann den Salzgehalt im Boden erhöhen, was zu schwachem Wachstum und schlecht entwickelten Knollen führt.
Im Garten genügt ein handelsüblicher Kartoffeldünger in der Regel aus, alternativ düngen Sie mit 2 bis 3 Litern gut verrottetem Kompost pro Quadratmeter. Ansonsten sollte das Verhältnis eines NPK-Düngers bei 10-5-20 liegen.
Fehler 7: Die Kartoffeln nicht regelmäßig kontrollieren
Auch eine regelmäßige Kontrolle gehört zu einem gesunden Wachstum und einer zufriedenstellenden Kartoffelernte – und zwar aus folgenden Gründen:
- Krankheiten frühzeitig erkennen: Dazu zählen besonders Krautfäule (braune Flecken auf Blättern, weißer Belag auf der Blattunterseite, verfaulte Knollen), Kartoffelschorf (korkartige Flecken auf den Knollen) und Schwarzbeinigkeit (Verfärbungen und Verrottung der Stängel, faulende Knollen).
- Schädlinge rechtzeitig erkennen: Zu den am häufigsten auftretenden Insekten zählen Blattläuse (saugen Pflanzensäfte und können so Viren übertragen), Kartoffelkäfer (frisst die Blätter und schwächt somit die Pflanzen) und Drahtwürmer (Die Larven von Schnellkäfern bohren Löcher in die Knollen).
- Unkontrolliertes Unkrautwachstum: Wie oben schon erwähnt, ist ein regelmäßiges Jäten von Unkraut essenziell.
Kontrollieren Sie die Kartoffeln mindestens einmal in der Woche auf Verfärbungen, Flecken oder Pilzbeläge auf den Blättern, auf Schädlingsbefall, angefressene Blätter oder Larven und auf Veränderungen in der Bodenfeuchtigkeit. Beobachten Sie Blätter und Stängel – gesunde Pflanzen haben kräftige, grüne Stängel, gelbe, braune und verfärbte Blätter sind Anzeichen für Probleme. Untersuchen Sie auch den Boden auf Schädlinge wie Drahtwürmer.
Fehler 8: Kartoffeln nicht anhäufeln
Beim Anhäufeln wird Erde von den Seiten an die Basis der Kartoffelpflanzen geschoben, wodurch ein kleiner Erdhügel um die Pflanze herum entsteht. Dies sollte dann passieren, wenn die Pflanzen ca. 15 bis 20 Zentimeter hoch sind. Das Anhäufeln sollten Sie alle 2 bis 3 Wochen wiederholen und zwar so lange, bis die Pflanzen zu blühen beginnen. Die Gründe für das Anhäufeln sind vielfältig:
- Schutz der Knollen vor Licht: Erhalten die Kartoffeln zu viel Licht, werden sie grün und produzieren zu viel giftiges Solanin.
- Förderung der Knollenbildung: Kartoffeln entwickeln Knollen entlang des unterirdischen Stängels. Durch das Anhäufeln wird der Stängel mit zusätzlicher Erde bedeckt, wodurch das Wachstum angeregt wird.
- Schutz vor Frost: Gerade dann, wenn Spätfröste auftreten, schützt ein Erdhügel vor niedrigen Temperaturen.
- Schutz vor Staunässe: Angehäufelte Beete verbessern die Bodenentwässerung, da die Knollen in den erhöhten Bereichen besser vor Staunässe und Fäulnis geschützt sind.
- Verbesserung der Bodenstruktur: Durch das Auflockern und Anhäufeln wir der Boden durchlüftet und die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen verbessert.
Fehler 9: Zum falschen Zeitpunkt ernten
Frühkartoffeln werden 2 bis 3 Monate nach der Pflanzung (meist Mai bis Juni) geerntet, Spätkartoffeln 3 bis 4 Monate nach Pflanzung (August bis Oktober). Wird zu früh geerntet, können die Knollen noch unreif sein, der Ertrag geringer und die Lagerfähigkeit schlechter. Wird dagegen zu spät geerntet, faulen Knollen bereits im Boden, die Kartoffeln sind anfälliger für Schädlinge, die Früchte werden zäh und verlieren an Geschmack und die Schalen werden zu dick.
Achten Sie beim Ernten auf folgende Anzeichen:
- Frühkartoffeln: Die Pflanze ist noch grün, die Knolle fest, die Schale dünn.
- Spätkartoffeln: Das Laub ist braun oder bereits abgestorben, die Schale fest.
Fehler 10: Kartoffeln falsch lagern
Die richtige Lagerung von Kartoffeln ist wichtig, damit diese nicht austrocknen und schrumpfen, nicht schimmeln oder faulen, nicht grün werden und damit giftiges Solanin bilden und nicht keimen. Lagern Sie Kartoffeln daher unter folgenden Bedingungen:
- Die Temperaturen sollten zwischen 4 und 10 Grad liegen. Unter 4 Grad würde Stärke in Zucker umgewandelt, was zu einem süßlichen Geschmack führt. Über 10 Grad keimen sie schneller und verlieren an Feuchtigkeit.
- Kartoffeln sollten möglichst dunkel gelagert werden, da Licht die Bildung von Chlorophyll und Solanin anregt.
- Die ideale Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 85 und 90 %. Bei zu trockener Luft schrumpfen die Früchte, bei zu feuchter kann sich Schimmel bilden und es kommt zu Fäulnis.
- Kartoffeln brauchen außerdem eine gute Luftzirkulation, damit Feuchtigkeit abtransportiert werden kann.
Ideale Lagerorte sind ein kühler Keller oder Vorratsraum, dunkle Schränke oder Lagerecken. Geeignete Behälter sind Holzkisten, Jutesäcke oder luftdurchlässige Körbe. Kontrollieren Sie die Kartoffeln vor dem Einlagern und auch währenddessen und sortieren Sie faulige, grüne oder keimende Kartoffeln aus. Übrigens sollten Kartoffeln nicht zusammen mit Äpfeln oder anderem Obst gelagert werden, da diese Ethylen freisetzen, das die Keimung bei Kartoffeln beschleunigt.