Wer fiebert nicht auf die ersten sommerlichen Wochen hin, wenn es endlich wieder Erdbeeren gibt? Die Saison beginnt ab Mitte Mai und reicht bis in den August – wobei es mittlerweile auch Sorten gibt, die bis in den Herbst hinein Früchte tragen. Der Name Erdbeere ist ein wenig verwirrend, denn eigentlich handelt es sich nicht um Beeren, sondern um Sammelnussfrüchte. Der Grund: Der rote, fleischige Teil der Frucht ist der Blütenboden und die kleinen gelben Körnchen sind die eigentlichen Früchte, also die Nüsschen. Aber wissen Sie was: Das ist uns jetzt gerade völlig egal, denn wichtig ist, dass wir beim Erdbeeranbau das Maximum aus unseren Pflanzen herausholen. Damit das gelingt, sollten Sie die folgenden Pflegefehler vermeiden.
Fehler 1: Erdbeeren zu wenig Sonne gönnen
Damit unsere Erdbeerpflanzen gesund bleiben und uns viele Früchte liefern, ist ein sonniger Standort besonders wichtig. Warum ist das so?
- Sonnenlicht ist für die Fotosynthese verantwortlich – dadurch bilden Pflanzen Zucker. Je mehr Sonne die Erdbeeren bekommen, umso süßer und aromatischer sind somit die Früchte.
- In voller Sonne entwickeln sich mehr Blüten, sodass Sie in der Folge mehr Erdbeeren genießen können. In schattigen Lagen würden weniger oder kleinere Früchte gebildet.
- Die Morgensonne hilft dabei, dass Tau und Feuchtigkeit von den Blättern verdunsten kann. Dadurch wird das Risiko für Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Grauschimmel minimiert.
Achten Sie bei der Standortwahl auf folgende Punkte:
- Erdbeeren brauchen mindestens 6 Stunden Sonne pro Tag.
- Am besten geeignet sind Standorte in Süd- und Südwestlage.
- Ein wenig Schutz vor starken Winden wäre gut, aber leichter Wind ist hilfreich, da dieser einen Pilzbefall vorbeugen kann.
- Halten Sie Abstand zu hohen Pflanzen, die den Erdbeeren die Sonne rauben könnten.
Fehler 2: Erdbeeren zu dicht pflanzen
Der richtige Pflanzabstand ist entscheidend für die Gesundheit, den Ertrag und die Langlebigkeit von Erdbeeren. Womöglich ist man versucht, Erdbeeren so dicht wie möglich zu pflanzen, um das Maximum an Früchten herauszuholen – das aber ist kontraproduktiv und zwar aus folgenden Gründen:
- Zu eng gesetzte Pflanzen verhindern eine gute Luftzirkulation. So kann sich Feuchtigkeit stauen, wodurch das Risiko für Pilzkrankheiten wie Grauschimmel oder für Mehltau erhöht wird.
- Stehen die Pflanzen zu eng, konkurrieren Sie um Licht, Wasser und Nährstoffe. Das kann nicht nur die Pflanze schwächen, sondern auch den Ertrag mindern.
- Wenn Erdbeeren ineinander wachsen, wird das Jäten, Düngen oder Ernten sehr mühsam und kann die Pflanzen schädigen. Zudem ist es schwieriger, kranke Blätter oder Früchte zu erkennen und zu entfernen.
Daher sollten Sie folgende Pflanzabstände einhalten:
- Reihenabstand: 60 bis 80 Zentimeter
- Pflanzabstand: 25 bis 35 Zentimeter
Fehler 3: Die Fruchtfolge nicht beachten
Haben Sie sich schon einmal Gedanken über die Fruchtfolge bei Erdbeeren gemacht? Wenn nicht, dann sollten Sie dies tun, denn wenn Sie Erdbeerpflanzen immer an derselben Stelle belassen, können folgende Probleme auftreten:
- Es kommt zu Bodenmüdigkeit, sodass die Pflanzen sich nicht richtig entwickeln können und ein kümmerliches Wachstum zeigen.
- Da im Boden Pilzerreger wie Verticillium-Welke oder Nematoden überdauern können, sind Erdbeeren, die immer am selben Standort stehen, für diese Krankheiten deutlich anfälliger.
- Erdbeeren haben bestimmte Bedürfnisse. Bleiben sie zu lange am selben Fleck, sind die benötigten Nährstoffe schnell erschöpft – und selbst Nachdüngungen können diesen Verlust oft nicht ausgleichen.
Daher wird empfohlen, Erdbeeren alle 2 bis 3 Jahre an einen anderen Standort zu setzen und nur alle 4 bis 5 Jahre wieder dieselbe Stelle zu wählen. In der Zwischenzeit sollten dort andere Kulturen angebaut werden, wie etwas Blattgemüse, Zwiebelgewächse oder Hülsenfrüchte. Ungeeignete Vor- und Nachkulturen sind im Übrigen andere Rosengewächse wie etwa Himbeeren oder Brombeeren, da diese zur selben Pflanzenfamilie gehören.
Ein 3-Jahres-Rhythmus wäre ideal, sodass Sie im 1. Jahr die Erdbeeren neu pflanzen, im 2. Jahr die Haupternte stattfindet und im 3. Jahr durchaus noch ein guter Ertrag zu erwarten ist – danach sollten Sie das Beet wechseln.
Fehler 4: Erdbeeren zu viel oder falsch düngen
Erdbeeren brauchen gezielte Düngergaben, die zeitlich aufeinander abgestimmt sind – und das aus guten Gründen:
- Erdbeeren bilden im Frühling Blüten und Früchte aus. Dafür brauchen sie ausreichend Nährstoffe, vor allem Kalium, Phosphor und etwas Stickstoff.
- Pflanzen, die mit den richtigen Nährstoffen versorgt werden, sind weniger anfällig für Pilzkrankheiten, für Fäulnis und für Schädlingsbefall.
- Nach der Ernte bilden Erdbeeren bereits die Blütenanlagen für das nächste Jahr. Eine Mangelernährung zu diesem Zeitpunkt führt zu weniger Früchten im Folgejahr.
Das sind die richtigen Zeitpunkte, um Ihre Erdbeeren mit Nährstoffen zu versorgen:
- Vor der Pflanzung: Bereiten Sie den Boden mit gut verrottetem Kompost oder organischem Dünger vor. Bei Bedarf geben Sie Sand oder Humus zur Bodenverbesserung hinzu. Bitte keinen frischen Mist, da diese schädlich für die Pflanzen ist.
- Im zeitigen Frühjahr (März/April): Geben Sie etwas organischen Beerendünger, Hornmehl oder Kompost, das fördert den Austrieb und die Blütenbildung.
- Direkt nach der Ernte (Juli/August): Dies ist ein wichtiger Düngezeitpunkt, denn jetzt werden die neuen Blätter für das kommende Jahr gebildet. Düngen Sie daher mit einem speziellen Beerendünger mit Kaliumanteil. Auch etwas Magnesium ist jetzt ideal.
Achtung: Im Herbst nicht mehr düngen, da dies weiches Wachstum fördert, das leicht erfrieren kann!
Vermeiden Sie folgende typische Düngefehler:
- Zu viel Stickstoff: Fördert das Laubwachstum, aber nicht das Fruchtwachstum.
- Düngung zur falschen Zeit: Das Düngen nach der Ernte nicht vergessen!
- Einseitige Düngung: Erdbeeren brauchen ein ausgewogenes Verhältnis von Stickstoff, Phosphor und Kalium.
Fehler 5: Ungeeigneten Boden wählen
Auch wenn Erdbeeren relativ pflegeleicht sind, stellen sie gewisse Ansprüche an den Boden. Nicht geeignet sind schwere Lehmböden, reiner Sandboden und stark kalkhaltige Böden. Stattdessen sollte das Substrat folgendermaßen beschaffen sein:
- Locker und gut durchlüftet. Nur so können sich die Wurzeln gut entwickeln und Wurzelfäule wird verhindert.
- Humusreich und nährstoffhaltig. So erreichen Sie ein kräftiges Wachstum und süße Früchte.
- Leicht sandig-lehmig. Dieser Bodentyp speichert Feuchtigkeit gut, gibt sie aber auch wieder ab, sodass keine Staunässe entsteht. Zudem enthält er ausreichend Mineralstoffe.
- Neutraler bis leicht saurer pH-Wert. Ideal ist ein Wert, der zwischen 5,5 und 6,5 liegt. Zu saurer oder zu kalkhaltiger Boden hemmt die Nährstoffaufnahme.
Vor dem Auspflanzen sollten Sie den Boden gut vorbereiten:
- Lockern Sie bis zu einer Tiefe von mindestens 25 Zentimetern gut auf und verbessern Sie gegebenenfalls mit Sand oder Kompost.
- Arbeiten Sie Humus ein, das gibt dem Boden Struktur und Nährstoffe.
- Nutzen Sie eine Gründüngung, zum Beispiel im Vorjahr Lupinen oder Phacelia – das lockert den Boden und reichert ihn mit Stickstoff an.
- Prüfen Sie den pH-Wert und passen Sie diesen wenn nötig an.
Tipp: Erdbeeren in Hochbeeten oder Kübeln bevorzugen eine Mischung aus Garten- oder Pflanzenerde (50 %), Kompost (30 %) und Sand oder Perlite (20 %).
Fehler 6: Auf das Unkrautjäten verzichten
Ja, wir wissen es: Unkrautjäten macht niemandem Spaß, ist bei Erdbeeren aber wichtig:
- Unkraut raubt Licht, Wasser und Nährstoffe – das schwächt die Pflanzen und reduziert den Ertrag.
- Schlechte Durchlüftung fördert Krankheiten – das entstehende feuchte Mikroklima ist ideal für Pilzkrankheiten wie Grauschimmel, Echter Mehltau und Wurzelfäule.
- Ernte und Pflege werden erschwert – eine Überwucherung mit Unkraut hemmt jede Pflegearbeit.
Jäten Sie regelmäßig und frühzeitig, um den unerwünschten Pflanzen gar keinen Raum zum Entfalten zu bieten. Verwenden am besten nur ihre Hände zum Entfernen des Unkrauts, da Erdbeeren flache Wurzeln haben, die leicht beschädigt werden können. Am besten erledigen Sie die Arbeiten nach Regen oder nach dem Gießen, dann lässt sich das Unkraut leichter entfernen. Übrigens können Sie dem Unkrautwachstum durch das Mulchen mit Stroh, Grasschnitt oder Rindenhumus vorbeugen.
Fehler 7: Erdbeeren falsch gießen
Erdbeeren reagieren auf Trockenheit genauso empfindlich, wie auf Staunässe. Das richtige Gießen ist wichtig, weil die Pflanzen ein eher oberflächliches Wurzelsystem haben und somit Trockenphasen nur schlecht überbrücken können. Mit einer gleichmäßigen Wassergabe sorgen Sie auch für eine gute Fruchtqualität, sodass es nicht zu Rissbildungen oder zu wässrigem Geschmack kommt, was bei Schwankungen zwischen trocken und nass sehr oft vorkommt. Zu viel Wasser kann Wurzelfäule begünstigen, aber auch Pilzkrankheiten.
So gießen Sie Ihre Erdbeeren richtig:
- Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht und vermeiden Sie einen Wechsel zwischen staubtrocken und triefend nass.
- Gießen Sie morgens, so können die Blätter und Früchte tagsüber gut abtrocknen.
- Gießen Sie direkt an die Wurzeln und möglichst nicht über die Blätter.
- Während Trockenperioden kann es in der Blüte- und Fruchtzeit vorkommen, dass Sie zweimal täglich gießen müssen.
- Nutzen Sie eine Mulchschicht, um den Boden länger feucht zu halten. Zusätzlich schützt Mulch vor Verschlammung.
Fehler 8: Erdbeeren nicht schneiden
Es gibt zwei wichtige Punkte, die mit dem Schnitt von Erdbeeren zusammenhängen: Ausläufer und Blattschnitt.
Erdbeeren bilden während der Blüte- und Fruchtphase zusätzlich Ausläufer. Diese dienen der Vermehrung. Sofern Sie Ihre Pflanzen nicht vermehren möchten, sollten Sie diese Ausläufer entfernen.
- Jeder Ausläufer entzieht der Hauptpflanze Kraft, was Auswirkungen auf die Früchte hat.
- Werden Ausläufer nicht entfernt, wurzeln diese ein und sorgen für ein Pflanzengewirr im Beet.
- Ermöglichen Sie eine gezielte Vermehrung, indem Sie nur kräftige Ausläufer auswählen und diesen kleine Töpfe zur Bewurzelung zur Verfügung stellen.
Ausläufer sollten Sie während der gesamten Saison immer wieder entfernen, sobald diese sichtbar sind.
Zusätzlich zu den Ausläufern ist es wichtig, die Blätter von Erdbeeren zu schneiden. Entfernt werden dabei alte, unansehnliche, vertrocknete und kranke Blätter, da diese Pilzkrankheiten fördern können. Entferntes Laub sorgt zudem für eine bessere Belüftung und weniger Überwinterungsverstecke für Schädlinge.
Blätter schneiden Sie direkt nach der Ernte im Juli/August. So können bis zum Herbst neue, gesunde Blätter nachwachsen. Entfernen Sie nur die äußeren Blätter, zusätzlich alte und beschädigte. Das Herz (Wurzelstock) darf keinesfalls geschnitten werden. Schneiden Sie die Blätter ca. 2 Zentimeter über dem Boden ab.
Fehler 9: Auf eine Mulchschicht verzichten
Das Mulchen von Erdbeeren erfüllt nicht nur den Schutz von Früchten, die dann nämlich nicht direkt auf der Erde liegen und dort schimmeln oder faulen könnten. Es wird auch das Wachstum von Unkraut unterdrückt, der Boden vor Verschlämmung oder Austrocknung geschützt und Feuchtigkeit gespeichert. Mulch kann außerdem Schädlinge wie Schnecken oder Erdflöhe fernhalten.
Folgende Mulcharten sind möglich:
| Material | Vorteile | Hinweise |
| Stroh | Leicht, trocken, sauber | Nicht zu dick auftragen |
| Grasschnitt | Nährstoffreich, günstig | Nur angetrocknet verwenden |
| Rindenhumus | Langlebig, unterdrückt Unkraut gut | pH-Wert beachten |
| Holzwolle | Sehr luftig, verrottet langsam | Ideal bei Schimmelproblemen |
| Laub | Gut im Herbst/Winter als Frostschutz | Nur ungespritztes Laub verwenden |
Sie können dreimal im Jahr mulchen. Zu Beginn der Fruchtentwicklung im Frühling (April/Mai), nach dem Schneiden im Sommer (Juli/August) und im Herbst, um einen Frostschutz anzulegen.
Fehler 10: Keine Kontrolle auf Krankheiten und Schädlinge
Erdbeerpflanzen sind relativ robust, können aber trotzdem von Schädlingen befallen werden. Auch Krankheiten können sich ausbreiten – dies liegt meist an Pflegefehlern. Viele Probleme beginnen unauffällig, weswegen eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll ist.
Schädlinge an Erdbeeren
- Blattläuse: Sie saugen den Pflanzensaft aus Blättern und Stängeln, wodurch diese sich kräuseln und klebrig werden. Auch Ameisen auf den Pflanzen sind typisch. Mit einer Schmierseifenlösung oder Brennnesselsud können Sie gegenwirken. Auch die Förderung von Marienkäfern hilft.
- Erdbeermilbe: Krankheitssymptome zeigen sich durch verkrüppelte oder klein bleibende Blätter und durch einen geringen Fruchtansatz. Auch die Milben saugen an den Blättern und Knospen und sorgen so für Schäden. Befallene Blätter sollten sofort abgeschnitten und der Standort luftig gehalten werden. Mit Knoblauchtee können Sie den Schädlingen beikommen.
- Dickmaulrüssler: Die Käfer fressen die Blattränder an, die Larven leben in der Erde und schädigen die Wurzeln – die Pflanze welkt trotz ausreichender Gießgaben. Sammeln Sie die Käfer abends ab, setzen Sie gegen die Larven Nematoden ein und entfernen Sie Mulch, in denen sich die Käfer tagsüber verstecken.
- Schnecken: Vor allem Jungpflanzen sind davon betroffen. Schnecken verursachen Fraßspuren an Blättern und Früchten, zu erkennen an den typischen Schleimspuren auf dem Boden, dem Mulch oder den Pflanzen. Sammeln Sie die Schnecken abends händisch ab, bauen Sie Schneckenbarrieren und streuen Sie Kaffeesatz.
Krankheiten an Erdbeeren
- Grauschimmel: Der Pilz Botrytis cinerea lässt Früchte faulen und matschig werden – typisch ist der graue Pilzrasen. Besonders häufig tritt er bei feuchtem Wetter und einer engen Bepflanzung auf. Befallene Früchte sofort entfernen, luftig Pflanzen, nicht über die Blätter gießen und vorbeugend Kamillentee oder Ackerschachtelhalmsud sprühen.
- Echter Mehltau: Es zeigt sich ein weißlich, mehliger Belag auf den Blattoberseiten, die Blätter rollen sich ein, das Wachstum wird gehemmt. Stark befallene Pflanzenteile sollten Sie entfernen, betroffene Stellen mit einem Milch-Wasser-Gemisch (1:8) oder mit Knoblauch- oder Zwiebelsud besprühen.
- Verticillium-Welke: Dieser Pilz lässt Blätter welken (meist von außen nach innen) und die komplette Pflanze trotz feuchtem Boden vertrocknen. Befallene Pflanzen sollten sofort komplett entfernt werden. Es gibt gegen diese Krankheit leider kein wirksames Hausmittel. Vorbeugend sollten Sie die Fruchtfolge einhalten, um Verticillium-Welke zu vermeiden.
Inspizieren Sie wöchentlich Blätter, Blüten, Früchte und den Boden auf Auffälligkeiten. Stärken Sie Ihre Erdbeeren mit Pflanzenjauchen (Schachtelhalm, Brennnessel), um die Widerstandskraft zu fördern.