Die Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse gehört zu den interessantesten und faszinierendsten Pflanzenfamilien. Allen Pflanzen ist gemein, dass sie Alkaloide enthalten und oft giftig sind. Trotzdem bringen sie auch viele leckere Früchte hervor und gehören zu den wichtigsten Nutzpflanzen. Obendrein spielen Nachtschattengewächse eine wichtige Rolle in der Medizin. Kaum eine Pflanzenfamilie ist gegensätzlicher.
Was sind Nachtschattengewächse?
Die Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse enthält etwa 100 Gattungen und über 2.700 Arten. Die Pflanzen kommen fast auf der ganzen Welt vor. Die meisten Arten kommen aus dem tropischen und subtropischen Raum. Oft sind es krautige Pflanzen. Es gibt aber auch kleine Bäume, Lianen oder Sträucher. Typische Merkmale für Nachtschattengewächse sind:
- Fünfzählige Blüten: Die Blüten sind meist radiärsymmetrisch und bestehen aus fünf Kelch- und fünf Kronblättern.
- Zusammengewachsene Blütenblätter: Die Kronblätter sind oft röhren- oder glockenförmig miteinander verwachsen.
- Staubblätter: In der Regel fünf, oft auffällig angeordnet.
- Früchte: Meist Beeren oder Kapseln, viele sind saftig und farbig.
- Laubblätter: Wechselständig, oft einfach, manchmal gelappt oder gefiedert.
Warum heißen Nachtschattengewächse so?
Die Bezeichnung „Nachtschatten“ leitet sich vom mittelhochdeutschen nahtschade bzw. vom althochdeutschen nahtscato ab. Was damit gemeint ist, ist nicht sicher belegt. Es könnte sich bei der Bezeichnung „nächtlicher Schatten“ um die schwarzen Beeren des Schwarzen Nachtschattens handeln oder die Bezeichnung ist medizinisch hergeleitet.
Der wissenschaftliche Name der Nachtschattengewächse lautet Solanaceae. Sie gehören zu den bedecktsamigen Pflanzen.
Zu Linnés Zeiten umfasst der Name Solanum unter anderen Pflanzen wie die Tollkirsche, Stechapfel, Paprika, Blasenkirsche und Nachtschatten.
Nachtschattengewächse in Ihrem Garten?
Mit Sicherheit haben auch Sie Nachtschattengewächse im Gemüsegarten. Gemüsearten wie die Kartoffel, Tomaten, Paprika, Goji-Beeren und Auberginen gehören dazu. Aber auch der Tabak ist ein Nachtschattengewächs. Bei den Blumen sind es die Engelstrompeten, die Petunien oder die Lampionblume. Die bekanntesten Nachtschattengewächse sind bestimmt der Schwarze Nachtschatten und der Gemeine Stechapfel. Die Pflanzen machen sich oft auch im Garten breit und sind bestimmt für den schlechten Ruf der Nachtschatten-Arten verantwortlich.
Nachtschattengewächse haben eine besondere Rolle
In der Pflanzenwelt nehmen die Nachtschattengewächse eine außergewöhnliche Rolle in botanischer und kultureller Hinsicht ein. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:
- Nutzpflanzen: Die Pflanzenfamilie enthält wichtige Nutzpflanzen, die von großer Bedeutung für die menschliche Ernährung sind. Dazu gehören Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Tomaten und Paprika.
- Inhaltsstoffe: Viele der Inhaltsstoffe sind für die Medizin wichtig. Nachtschattengewächse enthalten Alkaloide, die sowohl heilen als auch toxisch wirken können. Stoffe wie Atropin, Nikotin oder Scopolamin finden Anwendung in der Medizin als Krampflöser, Narkosemittel oder Schmerzmittel.
- Giftigkeit: Einige Vertreter der Nachtschattengewächse sind stark giftig. Über die Jahrhunderte hat das der Pflanzenfamilie einen schlechten Ruf eingebracht. Gleichzeitig wirken die Pflanzen eine unglaubliche Faszination aus.
- Evolutionäre Vielfalt: Nachtschattengewächse sind aus botanischer Sicht ein Beispiel für Anpassungsfähigkeit. Die Pflanzen haben sich vielen Lebensräumen angepasst. Diese reichen von tropischen Regenwäldern bis hin zu trockenen Wüsten.
- Der Einfluss: Die Verbreitung der Nachtschattengewächse war eng mit der Kolonialisierung und dem Wandel landwirtschaftlicher Systeme verbunden. Die Pflanzen haben nicht nur auf dem Acker eine herausragende Bedeutung, sondern auch in der Kunst und der Kultur.
Sind Nachtschattengewächse giftig?
Ja, sehr viele Nachtschattengewächse sind tatsächlich giftig. Manchmal ist es nicht die ganze Pflanze, sondern nur Pflanzenteile. Manchmal sind sie auch nur zu einer bestimmten Zeit giftig. Am bekanntesten ist das Alkaloid Solanin, das in unreifen Tomaten und den grünen Stellen der Kartoffeln vorkommt. In hohen Dosen kann es zu sehr schwere Vergiftungserscheinungen führen.
Die giftigsten Nachtschattengewächse sind:
- Stechapfel (Datura stramonium) – die gesamte Pflanze ist giftig. Stechapfel ist für seine halluzinogene Wirkung bekannt.
- Tollkirsche (Atropa belladonna) – die giftigste heimische Pflanze. Bereits geringe Mengen können tödlich sein. Das Gift wird aber auch für die Medizin verwendet.
- Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) – heute steht die Pflanze unter Naturschutz. Im Mittelalter wurde Bilsenkraut als Narkotikum genutzt.
- Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) – die unreifen Beeren sind giftig, die ausgereiften Beeren sind meist ungiftig. In einigen Kulturen wird der Schwarzer Nachtschatten als Nahrungsmittel verwenden, nachdem die Beeren besonders zubereitet wurden.
Natürlich ist nicht jede Pflanze gleich giftig. Die Giftigkeit hängt von der Pflanzensorte, dem Reifegrad und der Menge ab. Bei Wildpflanzen ist deshalb höchste Vorsicht geboten.
Diese Nachtschattengewächse sind lecker
Viele Nachtschattengewächse sind wichtige Lebensmittel. Das bedeutet nicht, dass sie zu jedem Zeitpunkt genießbar sind. Einige sind in verschiedenen Entwicklungsstufen giftig. Zu den bekanntesten essbaren Nachtschattengewächsen gehören:
- Kartoffel (Solanum tuberosum) – die ursprünglich aus Südamerika stammende Kartoffel wird inzwischen fast weltweit angebaut. Global liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 48 kg pro Jahr.
- Tomaten (Solanum lycopersicum) – Sie gehören zu den am meisten gegessenen Früchte weltweit. Unzählige Sorten machen die Früchte interessant. Tomaten haben inzwischen viele Liebhaber.
- Paprika und Chili (Capsicum) – Auch sie stammen aus Südamerika. Die Früchte sind reich an Vitamin C und enthalten mehr oder weniger Capsaicin – der Stiff, der die Schärfe macht.
- Aubergine (Solanum melongena) – Auberginen stammen aus Indien und sind heute vor allem in der mediterranen Küche verbreitet. Roh sind sie leicht giftig. Deshalb sollten Sie die Früchte vorher kochen.
- Physalis (Physalis peruviana) – Die süß-säuerlichen Früchte der Physalis schmecken einfach köstlich. Sie sind sehr vitaminreich und schmecken in Desserts oder als Snack.
- Goji-Beeren (Lycium barbarum) – Die Beeren waren lange Zeit als Superfood bekannt. Und das nicht ohne Grund. Die aus Asien stammenden Früchte sind sehr vitaminreich. In großen Mengen verzehrt können sie aber abführend wirken.
Nachtschattengewächse zur Zierde
Nachtschattengewächse werden aber auch zur Zierde angebaut. Einige der beliebten Kübelpflanzen gehören zu den Nachtschattengewächsen. Diese Zierpflanzen sind einfach zauberhaft:
- Engelstrompete (Brugmansia spp.) – Sie gehört zu den bekanntesten Pflanzen. Mit ihren großen, trompetenartigen Blüten und dem auffälligen Duft ziert sie viele Balkons und Terrassen. Vorsicht: Sehr giftig!
- Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara) – Die Kletterpflanze mit den lila Blüten sind sehr auffällig. Die reifen Früchte sind giftig.
- Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) – Die Pflanze ist oft im Garten als unerwünschtes Beikraut zu finden. Viele tolerieren die Wildpflanze als Zierde. Die Früchte sind giftig.
- Ziertabak (Nicotiana spp.) – Der duftende Ziertabak wird oft als Kübelpflanze angebaut. Besonders am Abend zieht die Pflanze viele Falter an.
- Lampionblume (Physalis alkekengi) – Die Blumen sind in vielen Blumenrabatten zu finden. Mit den dekorativen, orangen Hüllen wirken sie sehr apart. Die Blumen eignen sich auch für Trockensträuße.
Nachtschattengewächse in der Medizin
Es gibt kaum eine Pflanzenfamilie, die in der Medizin so eine breite Anwendung findet. Und das nicht erst seit heute. Je nach Inhaltsstoff kommen die Pflanzen zum Einsatz. Die bekanntesten Substanzen, die in der Medizin Anwendung finden, sind Solanin, Atropin, Capsaicin, Nikotin und Scopolamin. Ein paar Anwendungen gibt es hier:
- Atropin aus der Tollkirsche wird in der Augenheilkunde verwendet. Die Substanz erweitert die Pupillen. Außerdem kann es bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen helfen.
- Stechapfel und Bittersüßer Nachtschatten werden klassisch bei Rheuma, Gelenkentzündungen und Atemwegsinfekten verwendet.
- Der Schwarze Nachtschatten kommt bei Ekzemen, Juckreiz und anderen Hautproblemen zum Einsatz.
- Verschiedene steroidale Saponin und Glykoalkaloide werden aus Nachtschattengewächsen gewonnen, da sie krebshemmende Eigenschaften haben sollen. Sie kommen bei Studien zum Einsatz.
- Zubereitungen aus diversen Nachtschattengewächsen zeigen in Untersuchungen antitumorale, antioxidative, entzündungshemmende, fiebersenkende, antiepileptische und harntreibende Effekte.
Nachtschatten sollten Sie nicht als „Hausmittel“ verwenden, da ein hohes Vergiftungsrisiko besteht. In der modernen Medizin kommen die isolierten Wirkstoffe zum Einsatz.